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Wie sich Jugendliche auf TikTok radikalisieren

Welche Gefahren birgt die Social Media Plattform TikTok? Foto: 5./15 WEST/ iStock

TikTok hat sich zu einer beliebten Plattform für Teenager entwickelt, auf der sie Videos teilen, Trends verfolgen und sich unterhalten lassen. Doch was passiert hinter den Kulissen? Ein Experiment von Sebastian Hofer, Journalist bei „profil„, enthüllt die verstörenden Inhalte, die auf TikTok zu finden sind. Die Nutzung von Social Media nimmt weiter zu, zeigt der Jugend-Internet-Monitor. Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm verweist auf die Angebote von Safer-Internet. Victoria Mayer über Social Media & Jugendliche.

 

Kannibalismus, Radikalismus und Frauenfeindlichkeit

Hofer gab sich als 14-Jähriger aus und tauchte in die Welt der Kurzvideos ein, um herauszufinden, was Teenager dort erleben. Was er entdeckte, ist nichts für besorgte Eltern, sagt er in seinem Bericht.

Das Experiment begann unscheinbar, als Hofer die TikTok-App auf seinem Smartphone installierte und sein Profil erstellte. Mit einem gefälschten Geburtsdatum wurde er als 14-Jähriger akzeptiert und erhielt Zugang zur Plattform. Was folgte, war eine Reihe von Videos, die Hofer schockierten und nachdenklich stimmten.

Von Anfang an stieß Hofer auf Inhalte, die ihn irritierten. Von zweideutigen Anspielungen über KI-generierte Geschichten von Kannibalismus bis hin zu fragwürdigen Kommentaren über Veganismus und Frauenfeindlichkeit war die Bandbreite der Videos alarmierend. Sogar rechtsgerichtete Propaganda fand ihren Platz auf TikTok.

 

Jugendliche pro Tag 95 Minuten auf TikTok

TikTok, betrieben von ByteDance, einem chinesischen Unternehmen, hat weltweit über eine Milliarde Nutzer, darunter auch eine große Anzahl von Jugendlichen.

Laut einer Studie verbringen deutsche Teenager täglich durchschnittlich 95 Minuten auf der Plattform. Doch TikTok ist mehr als nur ein Medium für den Zeitvertreib. Es fungiert als Lexikon und Suchmaschine für junge Menschen. Diese Entwicklung birgt Risiken, wenn TikTok keine vertrauenswürdige Quelle enthält.

 

Jugend-Internet-Monitor 2023

Der Jugend-Internet-Monitor 2023 gibt Aufschluss darüber, welche sozialen Netzwerke von der österreichischen Jugend am häufigsten genutzt werden. Die Studie wurde von der Initiative „Saferinternet.at“ durchgeführt. Das Ergebnis zeigt deutliche Trends in der Social-Media-Nutzung auf.

Wie die Ergebnisse zeigen, ist Instagram mit 72% die unangefochtene Nummer eins unter den sozialen Netzwerken bei österreichischen Jugendlichen. Am meisten wird die Plattform von jungen Frauen genutzt. Dabei geht es primär ums Chatten und Teilen von Fotos.

Dicht hinter Instagram, auf dem zweiten Platz, liegt TikTok mit 55%. Auch diese Plattform ist vor allem bei Mädchen sehr beliebt. Bei den Jungen hingegen steht YouTube mit 52% an zweiter Stelle, gefolgt von Snapchat mit 32%.

 

Plakolm: „Soziale Medien bilden nicht immer die Realität ab“

Die Studie zeige einmal mehr, dass soziale Medien ein bedeutender Teil des Lebens junger Menschen sind, betonte Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm im Zuge des Monitorings.

„Gerade deswegen ist es uns wichtig, auch aufzuzeigen, dass soziale Medien nicht immer die Realität abbilden. Oftmals werden nur die Sonnenseiten des Lebens beleuchtet, aber auch die absichtliche Verbreitung von Falschinformationen nimmt ständig zu. Wir wirken dem entschieden entgegen und stellen gemeinsam mit Saferinternet.at ein umfassendes Service-Paket für Jugendliche, Eltern, Lehrer und Vereine bereit“, so Plakolm.

 

Quelle: Jugend-Internet-Monitor

 

TikTok-Algorithmus fördert Suchtpotenzial

Im Laufe des Experiments wurde Hofer immer tiefer in eine Welt gezogen, die von Gewalt, Verschwörungstheorien und radikalen Ansichten geprägt war. Der TikTok-Algorithmus passte sich seinen vermeintlichen Interessen an und führte ihn weiter in diese Richtung. Die Plattform förderte Suchtpotenziale und präsentierte Inhalte, die starke Emotionen auslösten.

Es ist nicht zu leugnen, dass TikTok eine Anziehungskraft auf Jugendliche hat und ein potenzielles Risiko für Radikalisierung darstellt. Während andere soziale Medien ebenfalls Filterblasen erzeugen können, scheint TikTok aufgrund seines Algorithmus besonders anfällig für solche Entwicklungen zu sein.

 

Über Gefahren aufklären

Kurze Zeit später wurden Hofer Accounts, wie „DieÄraTürkei“ vorgeschlagen, in denen Erdoğan als „unglaublich intelligent“ und seine „diplomatische Strategie“ als „einzigartig“ bezeichnet wurde. Auch Techniken über die Heilung von Krebs wurden Hofer vorgeschlagen. Dazu müsse lediglich Vitamin D3 eingenommen werden.

Die Erkenntnisse aus Hofers Experiment zeigen, dass TikTok eine dunkle Seite hat, die für Eltern besorgniserregend sein sollte. Es ist nach Einschätzung von Expertinnen wichtig, dass Eltern ihre Kinder über die potenziellen Gefahren von Plattformen wie TikTok aufklären und den Medienkonsum ihrer Kinder im Blick behalten.