Jeder 3. Arbeitssuchende Ukrainer in Österreich ist Akademiker. Einige von ihnen gingen vermutlich auch auf die Taras Shevchenko Universität in Kiew, benannt nach dem bedeutendsten Lyriker der Ukraine. Foto: iStock / Gwengoat

Als „sehr gut“ bezeichnet Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher den Bildungsstatus jener Ukrainerinnen und Ukrainer, die vertrieben wurden und in Österreich arbeiten wollen. Bei der Veröffentlichung der wöchentlichen Arbeitsmarkt- und Wirtschaftszahlen präsentierten Minister Kocher, Flüchtlingskoordinator Michael Takacs und AMS Chef Johannes Kopf aktuelle  Zahlen zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen aus der Ukraine.

 

Arbeitsmarkt: Trend bleibt positiv

Zunächst zum heimischen Arbeitsmarkt: Nachdem vergangene Woche die wichtige Marke von 300.000 arbeitslos gemeldeten Menschen erstmals nach gut 14 Jahren unterschritten wurde, setzt sich der Trend der Rückläufigkeit auch diese Woche weiter fort. Die Arbeitslosigkeit trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen weiterhin rückläufig. Aktuell sind 297.386 Personen beim AMS arbeitslos (227.743) oder in Schulung (69.643) gemeldet. Das bedeutet einen weiteren Rückgang von 1.097 Personen im Vergleich zur Vorwoche (Zur-Sache berichtete). Laut OECD war das BIP in der vorletzten Woche vom 13. Juni – 19. Juni 2022 um 4,4.

„Nachdem wir Mitte Juni zum ersten Mal seit 2012 die Grenze von 300.000 arbeitslos oder in Schulung gemeldeten Personen unterschritten haben, setzt sich die positive Entwicklung bei der Arbeitslosigkeit auch diese Woche fort. Wir verzeichnen im Vergleich zur Woche einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit und zwar um 1.097 Personen. Das entspricht dem saisonalen Trend und ist, vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in geopolitischer Hinsicht positiv zu bewerten“, kommentiert Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher die weiter anhaltend gute Entwicklung am Arbeitsmarkt.

 

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Vertriebene aus Ukraine am Arbeitsmarkt

Erstmals liegen nun auch Detailzahlen über die in Österreich aufgenommenen Menschen vor, die aufgrund des russischen Angriffes aus der Ukraine vertrieben wurden und am heimischen Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. „Ziel war, die Vertriebenen möglichst rasch in Österreich zu integrieren, auch am Arbeitsplatz. Man hat sofort einen unbeschränkten Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt ermöglicht“ erklärt Kocher.

 

Ende Mai waren 6.850 Ukrainerinnen und Ukrainer beim AMS vorgemerkt

Jobsuche in Österreich. Ihre im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse wurden mit dem Ziel der Erhebung ihrer Kompetenzen dem österreichischen Äquivalent zugeordnet. Kocher wies bei dieser kt gering Zahl an arbeitssuchenden Menschen aus der Ukraine im Vergleich zur Gesamtzahl der rund 70.000 ausgestellten Karten für Vertriebene darauf hin, dass eine hohe Anzahl an Kinder und Mütter zu berücksichtigen sind, die in Österreich aufgenommen wurden.

 

Qualifikationsniveau der beim AMS vorgemerkten Vertriebenen

Erstmals liegt auch eine Aufschlüsselung über das Qualifikationsniveau der vertriebenen Menschen aus der Ukraine in Österreich vor, das vom AMS erhoben wurde. Besonders auffallend ist dabei der hohe Anteil an Personen mit akademischer Ausbildung, der bei knapp einem Drittel (31 Prozent) liegt.  Es gilt nun dieses Potenzial zu nutzen und Wege zu finden, die vorhandene Qualifikation bestmöglich in den österreichischen Arbeitsmarkt zu integrieren. 34 Prozent haben einen Pflichtschulabschluss, 12 Prozent eine höhere Ausbildung, 6 Prozent können einen Lehrabschluss vorweisen und 3 Prozent haben mittlere Ausbildung. Die restlichen 15 Prozent konnten mangels ausreichender Informationen keinem

Bildungsniveau abschließend zugeordnet werden. Ukrainerinnen und Ukrainer sind gut qualifiziert und bringen großes Potenzial mit, das es für den österreichischen Arbeitsmarkt bestmöglich zu nutzen gilt. Dabei sind vor allem die Unternehmen gefragt die Betroffenen mit attraktiven Jobangeboten anzusprechen.“

Flüchtlingskoordinator Michael Takacs lobte die enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitsministerium und dem AMS. „Das Erste nach dem viel Vertriebene nach der Erstaufnahme fragen, ist nach einer Beschäftigung“, erklärt Takacs.

 

Webtool „Jobchancen in Österreich“

Im Rahmen der Pressekonferenz präsentierte AMS-Vorstand Johannes Kopf das neue Webtool „Jobchancen in Österreich“, das ab sofort auf Deutsch, Ukrainisch, Russisch und Englisch auf der Website des AMS abrufbar ist. Es stellt grafisch dar, wo in Österreich welche Berufe am gefragtesten sind. Zwei Eingaben sind nötig: der Berufswunsch sowie die höchste absolvierte Ausbildung. Damit wolle man mehr Transparenz und Orientierung am österreichischen Arbeitsmarkt bringen.

„Anhand des Stellenandrangs, also des Verhältnisses von arbeitssuchenden Personen zu den dem AMS gemeldeten offenen Stellen, zeigt unsere Applikation, wo man in Österreich die besten Jobchancen hat. Das neue Webtool richtet sich vor allem an aus der Ukraine geflüchtete Personen, die sich ein genaueres Bild vom heimischen Arbeitsmarkt machen wollen. Wir hoffen, auch sie mit unserem neuen Webtool bei der Arbeitssuche zu unterstützen, und ihnen einen besseren Überblick über ihre Arbeitsmarktchancen in ganz Österreich geben zu können“, so AMS-Chef Kopf.

 

Jeder 3. Arbeitssuchende Ukrainer in Österreich ist Akademiker. Einige von ihnen gingen vermutlich auch auf die Taras Shevchenko Universität in Kiew, benannt nach dem bedeutendsten Lyriker der Ukraine. Foto: iStock / Gwengoat
Jeder 3. Arbeitssuchende Ukrainer in Österreich ist Akademiker. Einige von ihnen gingen vermutlich auch auf die Taras Shevchenko Universität in Kiew, benannt nach dem bedeutendsten Lyriker der Ukraine. Foto: iStock / Gwengoat

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