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Europa macht Ernst: Altersbegrenzung für soziale Medien
Kinder müssen altersgerecht an soziale Medien herangeführt werden. Das ist der Kern des Berichts „Child Safety Online“. Die EU wird dazu im Herbst einen Vorschlag vorlegen. Laut Eurobarometer fordert eine Mehrheit mehr Schutz für Kinder im Internet. Die Bundesregierung arbeitet daran.
Sonderbericht zu Algorithmen
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat einen Sonderausschuss eingesetzt. Dieser untersuchte die Vorteile, Chancen und Gefahren von Algorithmen in den sozialen Medien für Kinder.
Bei der Präsentation des Berichts Child Safety Online mit den beiden Ausschussvorsitzenden Maria Melchior und Jörg Fegert am Montag in Brüssel betonte von der Leyen drei Punkte:
- die Verantwortung der Plattformen,
- die Notwendigkeit altersgerechter Beschränkungen und
- den stufen- und schrittweisen Zugang für verschiedene Altersgruppen

Jugendliche tappen durch Social Media in die Schuldenfalle. Foto: istock/A. Lemelyanenko
Altersbegrenzung notwendig
Von der Leyen wörtlich: „Je mehr wir in die Thematik eintauchen und je mehr wir die Auswirkungen auf unsere Kinder erleben, desto überzeugender erscheint das Argument für eine Altersbegrenzung in den sozialen Medien“, sagte die Präsidentin. „Wir drücken unseren Kindern ja auch keinen Autoschlüssel in die Hand, bevor sie einen Führerschein haben oder lassen sie Alkohol kaufen, bevor es gesetzlich erlaubt ist. Ebenso müssen wir das Alter festlegen, ab dem sie legal auf soziale Medien zugreifen können.“
Kommission arbeitet an Vorschlag
Nach dem Sommer will die Europäische Kommission einen Vorschlag vorlegen. Dass Europäerinnen und Europäer mehr Schutz für Kinder im Internet fordern, zeigen auch die Ergebnisse einer heute veröffentlichten Eurobarometer-Studie. So machen sich 71 % der Befragten Sorgen wegen Cybermobbing und Belästigung im Internet.
Konkret geht es um drei genannte Punkte:
- Die Plattformen haben die Systeme gestaltet. Also müssen sie jetzt nachweisen, dass ihre Dienste keinen Schaden anrichten. Die Plattformen haben eine Sorgfaltspflicht gegenüber Nutzern.
- Es muss über Altersgrenzen entschieden werden, um Kindern einen sicheren Start in die Welt des Internet zu ermöglichen.
- Die gesellschaftlich Entwicklung in der Nutzung sozialer Medien muss in die richtige Richtung gelenkt werden. Bei Kindern ist das Alter entscheidend. Das heißt unter anderem, keinerlei Bildschirme für unter Dreijährige.

Welche Informationen erhalten Kinder durch soziale Medien? Foto: Pixabay / Jeshoots
„Soziale Medien sind kein Spielzeug“
Zur Begründung der Initiative meinte Von der Leyen unter anderem:
„In Europa glauben wir daran, dass unsere Kinder von Eltern, und nicht von aggressiven Algorithmen großgezogen werden. Die sozialen Medien sind kein Spielzeug. Zwar liegt es in der Verantwortung der Eltern, zu entscheiden, wann Kinder ihr erstes Smartphone bekommen, allerdings besteht bereits Einigkeit darüber, dass es ein Mindestalter für die Nutzung der sozialen Medien durch Kinder geben muss.“
„Der Status quo – eine Welt, in der wir den großen Tech-Unternehmen weiterhin uneingeschränkten Zugang zu unseren Kindern gewähren – würde bedeuten, eine weitere Generation psychischem Schaden, Suchtgefahr und Leid auszusetzen.“
„Die Daten sprechen Bände. In Europa verbringen junge Menschen aktuell täglich vier bis sechs Stunden vor Bildschirmen. Sechs Stunden täglich – das sind zwanzig Jahre ihres Lebens. Gleichzeitig sind europaweit bei fast 60 % der kleinen Kinder emotionale oder psychosoziale Probleme in Verbindung mit dem Internet aufgetreten. Und Eltern sehen Tag und Nacht, welche Folgen das hat: Schlafmangel, Depressionen, Ängste, Cybermobbing, Konfrontation mit schädlichen Inhalten. All dies geschieht, während sich das Gehirn unserer Kinder noch entwickelt. Wir können nicht erwarten, dass Kinder sich in ihrer verletzlichsten Phase erfolgreich in einem System bewegen, das nie auf ihr Wohlbefinden ausgerichtet war.“
Für die Bundesregierung bestätigte Staatssekretär Alexander Pröll die Pläne, ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige einzuführen.





