Europa- & Aussenpolitik

Ukraine-Wiederaufbaukonferenz – Stocker sieht „Türöffner für heimische Wirtschaft“

Hochrangiges Treffen bei der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz im polnischen Danzig. Bundeskanzler Christian Stocker und sein deutscher Amtskollege Friedrich Merz. Foto: BKA/Florian Schrötter

Bei der mittlerweile bereits fünften Ukraine-Wiederaufbaukonferenz am 25. und 26. Juni in Polen ist Österreich erstmals auf Ebene des Regierungschefs vertreten. Bundeskanzler Christian Stocker bezeichnet den Wiederaufbau der Ukraine als „strategische Investition in Sicherheit und Wohlstand Europas“ und sieht zugleich „enorme Chancen“ für die heimische Wirtschaft. Die Konferenz gilt als größtes Wiederaufbauprojekt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

 

Den finanziellen Bedarf für die nächsten zehn Jahre schätzt die Weltbank auf rund 588 Milliarden US-Dollar. Das belegt laut Stocker „das schier unglaubliche Ausmaß an Brutalität und Zerstörung, dem die Ukraine nun schon im fünften Jahr ausgesetzt ist“. Der russische Angriffskrieg gehe unvermindert weiter. Der Wiederaufbau sei „nicht nur eine humanitäre Notwendigkeit, sondern vor allem eine strategische Investition in die Sicherheit, Stabilität und den Wohlstand Europas“. Es brauche eine gemeinsame europäische Anstrengung, „um eine starke, moderne und europäische Ukraine aufzubauen“.

 

Lange Tradition österreichischer Investoren in der Ukraine

Ein zentrales Thema der Konferenz sei die Mobilisierung des privaten Sektors für die wirtschaftliche Erholung, erläutert Stocker. Österreichische Unternehmen seien in der Ukraine „seit langem geschätzte und verlässliche Partner“ und hätten bereits in den 1990er-Jahren das Potenzial des Landes erkannt. Vor dem Krieg war Österreich der sechstgrößte ausländische Investor in der Ukraine. Rund 1.000 österreichische Unternehmen sind nach wie vor dort aktiv, 200 davon mit eigener Niederlassung. Sie schaffen trotz der schwierigen Lage rund 30.000 Arbeitsplätze vor Ort. Die wirtschaftlichen Beziehungen hätten sich zuletzt positiv entwickelt: Im ersten Quartal 2026 stiegen die österreichischen Exporte in die Ukraine um mehr als 30 Prozent und übertrafen damit erstmals das Vorkriegsniveau von 2021.

 

Mehr als 20 Spitzenunternehmen bei Konferenz

Bei der Konferenz in Danzig sind Vertreter von mehr als 20 österreichischen Spitzenunternehmen dabei. Darunter ASFINAG, Frequentis, Palfinger, RAG Austria, Primetals, RBI, Uniqa, Verbund und Voestalpine. Sie bringen laut Bundeskanzler „in genau jenen Bereichen Expertise mit, die die Ukraine beim Wiederaufbau besonders braucht“. Etwa Finanzierung, Infrastruktur, Energie, Bauwesen und Nachhaltigkeit.

 

Stocker als Türöffner für heimische Wirtschaft

Am Rande der Konferenz tauscht sich der Kanzler mit den Unternehmensvertretern bei einem Business Roundtable aus. „Vom Wiederaufbau in der Ukraine sollen auch österreichische Unternehmen profitieren. Ihr Know-how wird in der Zukunft ganz entscheidend sein“, betont der Kanzler. Es gehe nicht darum, den vergangenen Zustand wiederherzustellen, sondern um „eine Investition in die Zukunft“ mit dem Ziel einer souveränen, sicheren Ukraine, „die auf Frieden, Demokratie und Wohlstand aufgebaut ist“. Er sehe sich „als Türöffner für unsere heimische Wirtschaft“.

Stocker trifft bei der Konferenz auch die beiden Gastgeber – den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk und die ukrainische Ministerpräsidentin Yulia Svyrydenko – zu bilateralen Gesprächen.