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1,2 Milliarden zusätzliches Exportpotenzial: Stocker mit Wirtschaftsdelegation in der Türkei

In Ankara, Hauptstadt der Türkei, trifft am Montag Bundeskanzler Christian Stocker auf Präsident Recep Erdogan. Foto: iStock/komyvgory

Bundeskanzler Christian Stocker trifft am Montag bei einem Staatsbesuch in der Türkei auf Präsident Recep Erdoğan. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die Wirtschaftsbeziehungen. Begleitet wird der Kanzler von einer Wirtschaftsdelegation und einem Minister.

 

Türkei spielt „immer wichtigerer Rolle“

Anlässlich des Kanzlerbesuchs organisiert die Wirtschaftskammer einen hochrangigen Roundtable in Ankara, bei dem gemeinsam mit den Ministerien für Handel und Infrastruktur aktuelle Projekte und Kooperationsmöglichkeiten österreichischer Unternehmen erörtert werden.

Für Bundeskanzler Stocker ist die Türkei „ein wichtiger Wirtschaftspartner“ mit guten bilateralen Beziehungen. Begleitet wird er daher von Infrastrukturminister Peter Hanke und einer Wirtschaftsdelegation. Zugleich sei das Land „ein wichtiger Partner in der Frage der Migration“ und ein Faktor für die Stabilisierung des Nahen Ostens. Gerade die jüngsten Entwicklungen rund um das Bündnis Saudi-Arabien, Pakistan und Türkei würden zeigen, dass die Türkei „eine immer wichtigere Rolle spielt“, so der Kanzler vor Aufbruch seiner Reise Ö1-Morgenjournal.

 

Türkei bedeutender Markt außerhalb der EU

Die Türkei zählt zu den bedeutendsten Exportmärkten Österreichs außerhalb der EU. Mit Warenausfuhren von 1,8 Milliarden Euro belegt sie Rang 20 der Topmärkte und ist nach den USA, der Schweiz, Großbritannien, China und Japan der sechstwichtigste Markt außerhalb der Union. Die Dienstleistungsexporte erreichten 2025 mit 567 Millionen Euro Rang 3 außerhalb der EU. Mehr als 250 Niederlassungen österreichischer Unternehmen sind in der Türkei aktiv. Laut Nationalbank sind heimische Betriebe dort mit rund 1,4 Milliarden Euro investiert.

Aufgrund der Schwäche der türkischen Lira gingen die Warenausfuhren im Vorjahr um zwei Prozent zurück, in den ersten vier Monaten 2026 entwickelten sie sich mit plus 0,8 Prozent wieder leicht positiv. Wichtigste Exportgruppe bleibt der Maschinenbau mit 361 Millionen Euro, gefolgt von Eisen und Stahl sowie elektrischen Maschinen.

„Wir möchten die Gespräche in Ankara nutzen, um die guten Wirtschaftsbeziehungen mit unseren türkischen Partnern weiter auszubauen“, erklärt WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun. Man sehe „noch großes Potenzial für österreichische Unternehmen“. Auch der Kanzler ortet „Luft nach oben“: Viel Potenzial sieht Stocker im Tourismus, darüber hinaus hätten österreichische Firmen in den vergangenen zehn Jahren rund elf Milliarden Euro in der Türkei investiert. „Man sieht schon, dass hier ein großes Volumen bewegt wurde“. Die Türkei sei als Wirtschaftsraum auch für die EU interessant.

 

Wichtiges Drehkreuz in den Osten

Für viele österreichische Unternehmen fungiert die Türkei laut WKÖ als Brücke zwischen Europa, dem Nahen Osten, Zentralasien und Afrika. Die strategische Lage und die gute Fluganbindung Istanbuls unterstrichen die Rolle als regionales Drehkreuz. Mit mehr als 85 Millionen Einwohnern zähle das Land zu den größten Absatzmärkten Europas und seiner Nachbarschaft. 2025 wuchs die türkische Wirtschaft um 3,5 Prozent, für 2026 prognostiziert der IWF ein Plus von 3,4 Prozent, trotz hoher Inflation von zuletzt rund 30 Prozent deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Das zusätzlich realisierbare Exportpotenzial für Österreich beziffert die WKÖ unter Verweis auf die ITC Export Potential Map mit rund 1,2 Milliarden Euro bis 2030. Gute Geschäftschancen sieht der Wirtschaftsdelegierte in Istanbul, Gerhard Lackner, besonders in den Bereichen Umwelttechnologien, Energie, Verpackung, Automobilindustrie, IT und Chemie sowie bei der Modernisierung der türkischen Industrie und bei Infrastruktur- und Wintersportprojekten. „Gerade in diesen Bereichen genießt Österreich einen exzellenten Ruf“, so Lackner. Beim Markteintritt unterstützt das AußenwirtschaftsCenter Istanbul die heimischen Unternehmen.

 

Stocker setzt auf Dialog trotz unterschiedlicher Werte

Bei aller wirtschaftlichen Annäherung verwies Stocker im Ö1-Interview auf die Unterschiede zwischen beiden Ländern: Werte wie „Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit, Menschenrechte“ seien für Österreich „nicht verhandelbar“. Zugleich müsse man „auch mit Staaten im Gespräch bleiben und in Kontakt treten, wo man nicht in allen Anliegen einer Meinung ist“. Dass demokratiepolitische Entwicklungen beim Treffen mit Präsident Erdoğan zur Sprache kommen, erwarte er.

 

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