Eine Kraftanstrengung soll die Impfquote erhöhen

Pressekonferenz zu Corona-Maßnahmen. Foto: BKA/Florian Schrötter
Pressekonferenz zu Corona-Maßnahmen. Foto: BKA/Florian Schrötter

Die Bundesregierung verschärft die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie und drängt auf Impfung: Nur mit einer deutlich höheren Impfquote als gegenwärtig werde es gelingen, die Corona-Pandemie zu brechen. Dies erklärte Bundeskanzler Alexander Schallenberg am Sonntag. Derzeit jedoch steckt Österreich in einer vierten Welle an Infektionen, weswegen für nicht geimpfte Personen ab 12 Jahren ab Montag ein Lockdown gilt, für den Ausnahmen vorgesehen sind.

Lockdown für Ungeimpfte ist Untergrenze

Die Verordnung dieses Lockdowns für ungeimpfte Personen wurde im Gesundheitsministerium vorbereitet. Am Sonntag berieten Bundesregierung und Landeshauptleuten, abends bestätigte der Hauptausschuss des Nationalrats formell den Beschluss. Die Verordnung tritt ab Montag, 15. November um 0.00 Uhr in Kraft und gilt vorerst für zehn Tage, also bis 24. November. Damit wird die Stufe 5 der Maßnahmen vorgezogen. Ungeimpfe Personen dürfen das Haus nur mehr für Arbeit, Versorgung und Notfall verlassen. Der Lockdown ist die Untergrenze für mögliche zusätzliche Maßnahmen durch die Bundesländer.

 

Impfung senkt Wahrscheinlichkeiten

Die Begründung für den Lockdown liegt in der hohen Anzahl an neuen Infektionen. So meldeten die Ministerien am Sonntag rund 11.500 Neuinfektionen. Zudem seien die Inzidenzen – also die Anzahl Infizierter je 100.000 Personen – bei den Geimpften rückläufig und betragen bei Geimpften nur 383 Infektionen, bei den Ungeimpften jedoch über 1.700 Infektionen, erläuterte Schallenberg. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sei bei Geimpften um 70 % niedriger als bei Ungeimpften, die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs um 90 % geringer.

 

Das „Exitticket“ aus der Pandemie

Weil alle Argumente für Impfen sprächen, drängt die Bundesregierung darauf, vor allem die Impfquote zu steigern. Das ist das „Exitticket“ aus der Pandemie, wie Schallenberg sagte. Denn in Israel habe sich gezeigt: Werde in der vierten Welle intensiv geimpft, werde diese Infektionswelle gebrochen. Schon jetzt müssten aber – wegen der vierten Welle an Infektionen – die Kontakte zwischen geimpften und ungeimpften Personen „auf ein Minimum“ gebracht werden, weswegen ein Lockdown verfügt werde. Allerdings hätten bereits die 3G-Regel für den Arbeitsplatz und die 2G-Regel im Allgemeinen die Impfbereitschaft erhöht und die Nachfrage nach Impfung auf das Vierfache gesteigert.

 

Videokonferenz der Bundesregierung mit den Landeshauptleuten zu den Corona-Maßnahmen. Foto: BKA/Andy Wenzel

Videokonferenz der Bundesregierung mit den Landeshauptleuten zu den Corona-Maßnahmen. Foto: BKA/Andy Wenzel

 

Kontakte vermindern

Die „Kraftanstrengung“ sei jedenfalls erforderlich, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Die Kontakte zwischen geimpften und ungeimpften Personen müssten um ein Drittel gesenkt werden. Sollte sich die Dynamik der Infektionen jedoch fortsetzen, „werden wir weitere Maßnahmen benötigen“.

 

Kontrollen und Strafen

Die Polizei verstehe sich als Partner der Gesundheitsbehörden und der Menschen, die in Österreich leben, werde aber den Lockdown kontrollieren, kündigte Innenminister Karl Nehammer an. „Jeder Bürger und jede Bürgerin muss sich klar sein, dass sie jederzeit kontrolliert werden können.“ Und zwar sowohl hinsichtlich des Grundes, warum sie außer Haus gehen als auch hinsichtlich des 2G-Nachweises. Kunden und Arbeitnehmer, die gegen Regeln verstoßen, hätten mit Strafen ab 500 Euro zu rechnen. Für Betriebsinhaber und Arbeitgeber, die Regeln nicht einhielten, seien Strafen von jenseits 3.000 Euro vorgesehen. Die Polizei werde in allen Bezirken zusätzliche Streifen einsetzen und unabhängig davon den in Social Media-Kanälen kursierenden Falschmeldungen etwa über Polizeieinsätze entgegentreten.

Informationen und Anmeldung zur Impfung auf Österreich impft und der Internet-Seite des Gesundheitsministeriums

 

Das Virus ist doppelt so ansteckend wie zuvor

Der Molekularbiologe Martin Moder verwies in einem Interview darauf, dass das mutierte Virus – die Delta-Variante – doppelt so ansteckend sei wie zu Beginn der Corona-Infektionen. Der Anstieg der Infektionen in Österreich habe unter Experten „niemanden überrascht“, denn Österreich sei mit seiner Impfquote das Schlusslicht unter westeuropäischen Ländern. Daher komme es bei einem Anteil von rund 30 % nicht geimpften Personen zu einer raschen Verbreitung, sprich einem exponentiellen Wachstum an Infektionen. Die Impfung hingegen schütze vor Infektion und bei Erkrankung vor schwerem Verlauf. Wer unter den bereits geimpften Personen jetzt einen dritten Stich erhalte, sei gut geschützt, erklärte Moder in einem Ö3-Gespräch: „Wer den 3. Stich hat, dem kann das Virus wenig anhaben.“