Höhere Aufklärung: Die Kriminalitätsstatistik 2021 wurde veröffentlicht. Foto: iStock FOTOKITA

Mit einem erneuten Rückgang der Anzeigen weist die Kriminalstatistik für das vergangenen Jahr 2021 nicht nur ein neues 10-Jahres-Tief auf. Bei näherer Betrachtung der Statistik zeichnet sich auch immer mehr ein neues Bild von der Art der Kriminalität in Österreich.

 

Polizeiliche Aufklärungsquote auf Höchststand

Nach 2020 ist auch im Jahr 2021 die Kriminalität in Österreich zurückgegangen. Mit einem Rückgang von 5,1 Prozent gab es in den vergangenen Jahr bei Österreichs Sicherheitsbehörden 410.957 Anzeigen. Das ist der geringste Wert seit zehn Jahren. Oder umgerechnet: im Durchschnitt war vergangenes Jahr jeder 21. Österreicher von einer Anzeige betroffen.

Besonders gerichtlich strafbare Handlungen haben laut Innenminister Gerhard Karner „einen historischen Tiefstand erreicht“. Demgegenüber steht eine positive Entwicklung bei der Aufklärungsarbeit der Polizei, denn 55,3 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden. Das bedeutet eine Zunahme der Aufklärungsrate von rund 13 Prozent seit 2011, wie der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf bei der Präsentation betonte.

 

Cyber-Kriminalität nimmt zu

Stark zugenommen hat allerdings die Cyber-Kriminalität. Auch wenn sie mit rund 46.000 Anzeigen lediglich knapp über 10 Prozent der Gesamtfälle ausmacht, ist doch seit Jahren ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen. Alleine im Vergleich zum Vorjahr 2020 gab es über 30 Prozent mehr Anzeigen im Bereich der Cyberkriminalität, wovon der Großteil auf klassischen Betrug entfällt. Hier werden mit rund 22.000 Anzeigen Internetbetrug am öftesten genannt. Meistens handelt es sich um Bestellbetrügereien auf privaten Plattformen, bei denen bestellte Waren nicht geliefert oder Händler zum Opfer wurden.

 

1.900 Anzeigen im Zusammenhang mit Online-Kindesmissbrauch

Als „trauriger Höchststand der letzten zehn Jahre“ bezeichnet Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, die 1.900 Anzeigen beim Online Kindesmissbrauch. Hier konnten von den Sicherheitsbehörden immerhin 9 von 10 Anzeigen aufgeklärt werden (92,4 Prozent).

 

Herausforderung Demonstrationen

Bedingt durch die Corona-Pandemie war die Polizei im Jahr 2021 besonders von einer Vielzahl an Demonstrationen gefordert. In Zahlen: 2.100 angezeigte Versammlungen, 600.000 Einsatzstunden, 25.000 Verwaltungsanzeigen, 400 Festnahmen, davon 200 nach Strafprozessordnung und 200 nach Verwaltungsstrafgesetz. Mit den Demonstrationen einher kam es auch zu einer Zunahme bei den Anzeigen nach dem Verbotsgesetz . 1.671 Anzeigen waren es im Jahr 2021, 1.388 Anzeigen vor der Pandemie 2019. In diesem Zusammenhang ging Innenminister Karner auch auf die Verharmlosung des Holocaust bei Kundgebungen ein. Hier müsse laut Karner gegen jede Form des Antisemitismus vorgegangen werden.

 

400 Schlepper verhaftet – leichte Steigerung bei Gewaltkriminalität

Ganz im Schatten der Pandemie nahm 2021 auch die Schlepperkriminalität zu, die sich im Vorjahresvergleich sogar verdoppelte. Im Rahmen der 3.570 Anzeigen wegen Schlepperei wurden rund 400 Schlepper verhaftet.

Im Bereich der Gewaltkriminalität kam es zu einem leichten Anstieg der Anzeigen. Rund 67.000 Anzeigen wurden erstattet, fast alle davon konnten aufgeklärt werden (99,8 Prozent). Deutlich zugenommen haben in diesem Bereich die Vergewaltigungen mit 1.054 Anzeigen (plus 10 Prozent).

Zurückgegangen ist auch die Zahl von Delikten mit tödlichem Ausgang. Gab es 2020 noch 50 Tötungsdelikte, waren es 2021 40.