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Flüchtlinge bevorzugen Wien

Flüchtlinge ziehen bevorzugt nach Wien, obwohl die Integration in den Arbeitsmarkt in den Bundesländern besser gelingt: Bundesministerin Claudia Plakolm mit dem Wissenschafter Rainer Münz, der die Studie im Bundeskanzleramt präsentierte. Foto: Valentin Brauneis

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verläuft schwierig und langwierig, aber in den Bundesländern deutlich besser als in Wien. Dies ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Synthesis-Studie, die Ministerin Claudia Bauer mit dem Autor, Rainer Münz, vorstellte.

 

Flüchtlinge ziehen bevorzugt nach Wien

Viele Flüchtlinge, die zunächst in kleineren Städten oder ländlichen Regionen untergebracht waren und in Österreich blieben, übersiedelten später in urbane Räume – häufig nach Wien.

Von jenen, die 2015/16 ursprünglich im ländlichen Raum untergebracht waren und in Österreich blieben, zogen 42 % nach Wien und weitere 38 % in andere urbane Regionen, während nur 13 % dauerhaft in derselben ländlichen Region blieben.

Von den Flüchtlingen der Jahre 2015/16 mit Erstwohnsitz in Wien blieben hingegen 89 % in der Bundeshauptstadt.

 

Erwerbsquote in Ländern höher als in Wien

Für die Erwerbsintegration von Flüchtlingen spielen Erstwohnsitz und Binnenmobilität innerhalb Österreichs eine wichtige Rolle: Flüchtlinge, die 2015/16 in Wien untergebracht wurden oder später in die Bundeshauptstadt übersiedelten, erreichten bis 2024 Erwerbsquoten von rund 56 % bis 61 %.

Deutlich höher lagen die Erwerbsquoten hingegen bei jenen, die in anderen urbanen, kleinstädtischen oder ländlich geprägten Regionen lebten oder dorthin zogen: Sie lagen zwischen 78 % und 86 %.

Besonders hoch war die Erwerbsbeteiligung bei jenen Personen, die bereits 2015/16 in ländlichen Regionen untergebracht waren und dortblieben (85 %) oder später in ländliche Regionen übersiedelten (82 % bis 86 %).

Auch beim Einkommen zeigt sich ein ähnliches Muster: Jenee, die in Wien lebten oder dorthin übersiedelten, erzielen im Durchschnitt deutlich niedrigere Einkommen als jene, die in anderen städtischen oder ländlichen Regionen tätig waren.

 

Frauen seltener erwerbstätig

Die Ergebnisse zeigen, dass unter Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten der letzten 10 Jahre die Erwerbsintegration von Männern deutlich häufiger gelang als jene von Frauen:

Unter männlichen Asylwerbern, die 2015/16 nach Österreich kamen und im Land blieben, waren nach fünf Jahren 53 % und nach acht bzw. neun Jahren rund 77 % zumindest 90 Tage beschäftigt. Das entspricht etwa dem Durchschnitt von Männern aus anderen Drittstaaten.

Von den weiblichen Asylwerbern, die damals kamen, waren hingegen nach fünf Jahren 18 % und nach acht bis neun Jahren rund 40 % erwerbstätig.

Bei jenen, die später kamen, erfolgte die Erwerbsintegration rascher, aber auch da blieben die Erwerbsquoten von Frauen mit Flüchtlingsstatus unter jenen der Männer.

 

Studie zeigt die unterschiedlichen Verläufe

Zur Studie: Welche Zuwanderergruppen bleiben langfristig in Österreich und wie rasch finden sie Arbeit? Im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) analysierten Migrations- und Bevölkerungsforscher Univ.-Prof. Dr. Rainer Münz und Synthesis Forschung die Erwerbsverläufe von Flüchtlingen, Drittstaatsangehörigen und EU-Bürger/innen in Österreich. Die Studie analysiert die Integration von Zuwanderungsgruppen über zehn Jahre hinweg und zeigt, dass sich Aufenthaltsdauer, Arbeitsmarktintegration und Binnenmobilität deutlich nach Herkunftsgruppen und Zuwanderungszeitpunkt unterscheiden. Der vollständige Forschungsbericht mit Detailergebnissen zu allen analysierten Zuwanderungsgruppen steht auf der ÖIF-Website zum Download zur Verfügung.