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Neue Studie: Österreich im Krisenfall gut mit Lebensmittel versorgt

Österreichs Lebensmittelversorgung funktioniert auch im Krisenfall. Das ergab eine Studie, die nun von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig präsentiert wurde. Foto: BMLUK/Hemerka

Wie gut ist Österreich mit Lebensmittel versorgt, wenn es zu einem Krisenfall kommt? Dieser Frage ging ein Forscherteam nach und untersuchte gleich vier verschiedene Krisenszenarien. Nun wurden die Ergebnisse von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig präsentiert.

 

28-monatiges Forschungsprojekt

Eine neue Studie im Rahmen des KIRAS-Sicherheitsforschungsprojekts „Nationale Reserve“ kommt zu dem Ergebnis, dass Österreich im Krisenfall grundsätzlich gut mit Lebensmitteln versorgt werden kann. Das 28-monatige Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr. Angelika Tisch vom Interdisziplinären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) endete im Jänner 2026 und untersuchte vier Krisenszenarien: einen 72-Stunden-Blackout, einen Mangel an fossilen Energieträgern, den Ausfall ausländischer Arbeitskräfte sowie eine zwei Jahre anhaltende Dürre.

 

Empfehlung Stärkung der heimischen Landwirtschaft

Die Studie zeigt, dass Versorgungsausfälle durch die ganzjährig vorhandenen Lagerbestände entlang der Lieferketten in österreichischen Privatunternehmen – insbesondere bei Getreide und Zucker – zum Großteil ausgeglichen werden können. Auch im ersten Jahr einer schweren Dürre reichen die Bestände aus. Für ein zweites Dürrejahr wäre die Versorgungslage jedoch kritisch.

Die Studienautoren empfehlen daher nicht den Aufbau staatlicher Lebensmittelreserven, sondern eine Stärkung der Resilienz der heimischen Landwirtschaft sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und den Ausbau des Monitorings. Studienautorin Dr. Tisch betonte: „In Österreich werden in privatwirtschaftlichen Unternehmen ganzjährig erhebliche Mengen an Getreide und anderen Lebensmitteln gelagert, die eine Versorgung der Bevölkerung auch in Krisenzeiten sicherstellen können. Anstatt zusätzlich staatliche Lebensmittelreserven aufzubauen, wird empfohlen, die Zusammenarbeit mit den Unternehmen zu stärken und das Monitoring auszubauen.“

 

Totschnig: Lebensmittelversorgung von bäuerlichen Familienbetrieben getragen

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig begrüßte die Ergebnisse und kündigte weitere Schritte an: „Die Studie zeigt, dass die Bevölkerung im Krisenfall grundsätzlich gut mit Lebensmitteln versorgt werden kann, getragen insbesondere von den bäuerlichen Familienbetrieben. Eine flächendeckende landwirtschaftliche Produktion ermöglicht ausreichende Lagerbestände, sodass derzeit kein zusätzlicher strategischer Vorratsaufbau erforderlich ist. Angesichts multipler Krisen ist es jedoch entscheidend, dieses Thema konsequent voranzutreiben.“

Daher will Totschnig im nächsten Bundeslenkungsausschuss einen eigenen Fachausschuss zur strategischen Vorratshaltung einsetzen, der die Studienergebnisse vertieft, Krisenszenarien bewertet und weiteren Handlungsbedarf identifiziert.

 

Aber auch Eigenverantwortung gefragt

Hintergrund der Studie ist die im April 2026 beschlossene Novelle des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes, das seit 1997 die Grundlage für staatliche Lenkungsmaßnahmen im Krisenfall bildet. Eine der zentralen Neuerungen ist die nunmehr gesetzlich verankerte Möglichkeit zur strategischen Vorratshaltung, die bisher in Österreich nicht vorgesehen war.

Trotz der Vorsorgesicherheit wird auch auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung  hingewiesen: Das Gesetz stelle keine vollumfängliche Absicherung dar, weshalb ein individueller Lebensmittelvorrat sowie Bargeld zur Grundausstattung jedes Haushalts gehören sollten. Der Österreichische Zivilschutzverband stellt gute Informationen und Empfehlungen zum Thema krisenfester Haushalt und Bevorratung bereit.

 

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