Burgtheater: Grobes Missmanagement durch SPÖ-Drozda?

Foto: Florian Schrötter; iStock/ hsvrs
Foto: Florian Schrötter; iStock/ hsvrs

Der nun erschienene Rechnungshofbericht (RH) belegt einen signifikanten Anstieg der Schulden im Burgtheater in der Zeit zwischen 1999 bis 2008. Der damalige Geschäftsführer des Burgtheaters: Thomas Drozda – Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer und Kurzzeitminister. Zudem wurden laut RH-Bericht „hohe“ Barauszahlungen getätigt und die Verträge der Geschäftsführung bezüglich „variabler Bezugsbestandteile der Geschäftsführung vorteilhafter als vorgesehen“ ausgelegt.

 

Burgtheater Schulden explodierten

Vergangenen Freitag präsentierte der Rechnungshof seinen Bericht zum Finanzgebaren des Wiener Burgtheaters zwischen 1999 und 2008. In dieser Zeit war Thomas Drozda, bis vor kurzem noch SPÖ-Kultursprecher im Nationalrat, als Geschäftsführer des Burgtheaters auch Hauptverantwortlicher für die Finanzen. Dabei ergab die Überprüfung des Rechnungshofes eine „kritische“ Finanzlage.

So bestätigt der RH, dass die Burgtheater GmbH einen Kassabestand und Guthaben mit 3,35 Mio. Euro im September 1999 hatte. Nur 3 Jahre Geschäftsjahre unter Drozda später, musste das Burgtheater einen Rückgang um 5,80 Mio. Euro einbüßen. Das Theater hatte bis zum 31. August 2002 insgesamt 2,45 Mio. Euro an Verbindlichkeiten, also Schulden, angehäuft.

 

Drozda bereits zu Jahresbeginn unter Druck

Die ÖVP, die den RH-Bericht einst mit der FPÖ initiiert hatte, sendete bereits im Februar 2021 umgehend eine Rücktrittsaufforderung in Richtung Thomas Drozda von der SPÖ, damals noch Kultursprecher: „Die roten Seilschaften, die den Burgtheater- Skandal mitzuverantworten haben, müssen aus der Deckung kommen. Und Drozda sollte schleunigst seinen Hut nehmen – bei ihm waren und sind die Kultur, die Finanzgebarung und die Transparenz nicht gut aufgehoben“, so ÖVP-Kultursprecherin Maria Großbauer in einer Aussendung.

 

Bargeldzahlrungen in Millionen Höhe

Laut Rechnungshof konnte die Burgtheater GmbH unter SPÖ-Drozda – bis auf das Geschäftsjahr 2002/3 – auch „keinen positiven freien Cashflow“ erwirtschaften.

Dafür gab es aber Auffälligkeiten bezüglich üppiger Barauszahlungen aus der Hauptkasse der Burgtheater GmbH. So wurden aus der Hauptkasse im Überprüfungszeitraum von 1999 – 2008 insgesamt 58,83 Mio. Euro ausbezahlt. Das heißt, dass auf den Monat runtergebrochen 500.000 Euro und am Tag rund 16.000 Euro (gerechnet auf 30. Tage pro Monat) in bar (!) ausbezahlt wurden.

Sogar der Rechnungshof hat aufgrund dieser Praktiken beim Burgtheater festgestellt, dass eine solche Aufbewahrung des Bargeldes „mit einem Sicherheitsrisiko verbunden“ war.

 

Vorteilhafte Geschäftsführerbezüge

Doch der RH-Bericht bringt noch andere interessante Vorgangsweisen beim Burgtheater ans Licht. So haben laut Rechnungshof die Verträge der Geschäftsführung – sprich also auch der von SPÖ-Drozda – „nicht durchgehend“ der Bundes-Vertragsschablonenverordnung entsprochen. Begründung: Die Verträge der Geschäftsführung, „insbesondere die darin enthaltenen Vertragselemente betreffend variabler Bezugsbestandteile für die Mitglieder der Geschäftsführung“ seien „vorteilhafter als vorgesehen“ ausgelegt worden.

Weiters habe die Bundestheater-Holding im Oktober 2002 die Verträge von Drozda und einem weiteren Geschäftsführer bis zum 31. August 2009 – ohne Ausschreibung (!) laut Stellenbesetzungsgesetz – durchgeführt.

Wie und inwieweit der Schaden für die Bundestheater GmbH sich genau bemessen lässt, konnte der Rechnungshofbericht nicht konkret sagen. Der Grund dafür: Dem RH standen nur eingeschränkt Unterlagen zur Beurteilung von Seiten des Burgtheaters zur Verfügung.

 

Bereits Urteil im Fall Burgtheater

Die finanziellen Ungereimtheiten des Burgtheaters zu dieser Zeit beschäftigen die Gerichte bereits in den letzten Jahren. So kam es unter anderem bereits im Jänner 2020 zu einer Verurteilung der ehemaligen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky wegen Untreue und Veruntreuung zu einer zweijährigen bedingten Freiheitsstrafe.