Experte erklärt: Impfen ist einziger Weg aus Pandemie

Dr. Herwig Kollaritsch, Infektiologe, Mitglied im Nationalen Impfgremium im Interview. Screenshot: ZIB Spezial / ORF 2
Dr. Herwig Kollaritsch, Infektiologe, Mitglied im Nationalen Impfgremium im Interview. Screenshot: ZIB Spezial / ORF 2Dr. Herwig Kollaritsch, Infektiologe, Mitglied im Nationalen Impfgremium im Interview. Screenshot: ZIB Spezial / ORF 2

Nach dem dritten Stich und bei einer Impfquote von über 85 % könnten wir, wenn sich das Virus nicht verändert, die Pandemie endgültig hinter uns lassen. Zu diesem Schluss kam Infektiologe Dr. Herwig Kollaritsch im ZIB Spezial Interview.

Montag sprach sich der Infektiologe und Mitglied im Nationalen Impfgremium, Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch in der Sendung ZIB Spezial des ORF 2 deutlich und eindringlich für die Impfung aus. „Wir werden diese Pandemie sicher überstehen, wenn wir eine Impfquote jenseits der 85 % erreichen“, so Infektiologe Kollaritsch. Allerdings unter der weiteren Voraussetzung, dass sich das Virus nicht neuerlich mutiert.

 

Warum wir derzeit Rekordzahlen erleben

Auf die Frage, warum wir nach elf Monaten der Impfung auf Rekord-Infektionen blicken, findet Dr. Kollaritsch klare Worte: „Das Virus hat sich verändert und ist aktuell 2½-mal ansteckender als die ursprüngliche Variante und dafür ist unsere Impfquote von rund 65 % einfach zu gering.“

Daher rät der Infektiologe dringend zur Impfung, denn aktuell werde beobachtet, dass fünfmal weniger geimpfte Personen in Spitalsbehandlung müssen als nicht geimpfte Personen.

 

Langanhaltende Wirkung nach dem 3. Stich

Bisher wisse man, so der Infektiologe Dr. Kollaritsch, dass die 3. Impfung eine ähnlich langanhaltende Wirkung verspricht wie beispielsweise bei der FSME-Impfung. Derzeit könne dies aber nur für die bisher bekannten Virus-Arten gesagt werden, so der Infektiologe.

Ein Antikörpertest sei für Dr. Kollaritsch kein Grund, die 3. Impfung auszulassen: „Wir kennen den Schwellenwert nicht, ab wie vielen Antikörpern für den Einzelnen ein ausreichender Schutz besteht“, erklärte Kollaritsch. Außerdem sei der Antikörpertest nur eine Momentaufnahme und die Situation könne bereits nach wenigen Tagen gänzlich anders aussehen.

 

Angst vor mRNA unbegründet

Die Angst vor einem mRNA-Impfstoff sei unbegründet. „Dies ist nicht so neu, man beschäftigt sich bereits seit 30 Jahren mit mRNA, bisher war nur der Druck nicht so groß, diese Technologie unter ein breites Publikum zu bringen“, erläuterte Dr. Kollaritsch.

„Die mRNA-Impfung ist sogar der der natürlichen Immunisierung am nähesten kommende Prozess“, denn anders als bei einem Totimpfstoff werde das Teil, gegen das eine Immunisierung gebildet werden soll, in Hefezellen hergestellt und dem Organismus zugeführt, erklärte Kollaritsch.

Dr. Kollaritsch erläutert weiter: Beim mRNA-Impfstoff müsse der Organismus den Impfstoff und die Antikörper selbstständig bilden, so wie es in der Natur tagtäglich vorkommt.

 

Kinderwunsch von einer Impfung unbeeinflusst

Den Mythos, ein Kinderwunsch spreche gegen eine Impfung, entkräftet der Infektiologe: „Der Mythos ist völlig aus der Luft gegriffen, denn es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass ein Kinderwunsch gegen eine Impfung spricht.“

Abschließend gab Dr. Kollaritsch einen Ausblick: „Wir werden die Pandemie auf jeden Fall überstehen, wenn sich die Impfquote jenseits von 85 % bewegt und sich das Virus nicht zum schlechteren verändert.“