Natur schützen, Bodenschätze nützen: Der Masterplan Rohstoffe 2030

Österreichs Natur schützen, doch die Bodenschätze nützen: Masterplan Rohstoffe 2030. Foto: BMLRT, Alexander Haiden
Österreichs Natur schützen, doch die Bodenschätze nützen: Masterplan Rohstoffe 2030. Foto: BMLRT, Alexander Haiden

Rohstoffe sind unersetzbar, daher kostbar und teuer. Österreich soll seine Rohstoffe besser nutzen und die Abhängigkeit von Importen vermindern. Diesen Zielen dient der Masterplan Rohstoffe 2030, den Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger gemeinsam mit dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, Georg Knill, vorstellte.

 

Die Ziele des Masterplans

„Der Masterplan Rohstoffe 2030 enthält 75 Maßnahmen, um unsere Versorgung zu sichern“, erklärte Köstinger. Damit werden drei Ziele verfolgt:  „Erstens, Österreichs Bergbau zu stärken. Zweitens, Kooperationen mit ressourcenreichen Ländern zu verbessern. Drittens, Kreislaufwirtschaft durch innovative Technologien zu forcieren.“

 

Unabhängiger und krisenfester

„Mineralische Rohstoffe begleiten das tägliche Leben von uns allen: Von Halbleiter-Metallen in unseren Handys, Fernsehern oder Kopfhörern bis zu Schotter als Baustoff. Ob in unseren Autos oder medizinischen Implantaten – für all diese Gegenstände werden verschiedene Rohstoffe benötigt. Derzeit ist Österreich zum Großteil von Importen abhängig. Unser Ziel ist daher, mehr Rohstoffe im eigenen Land abzubauen, um unabhängiger und krisenresistenter zu werden.“

Mineralische Rohstoffe sind die Grundlage für eine erfolgreiche heimische Industrie – und damit auch für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort, Arbeitsplätze und Wohlstand, heißt es in den Erläuterungen Köstingers. Die Versorgung mit Rohstoffen ist aber keine Selbstverständlichkeit. Vor allem, wenn man von Importen abhängig ist. Ziel ist daher, mehr Rohstoffe in Österreich abzubauen, um unabhängiger und krisenresistenter zu werden, sagen Köstinger und Knill.

Köstinger dazu: „Indem wir auf mehr Rohstoffe aus Österreich setzen, reduzieren wir nicht nur die Abhängigkeit von Importen, sondern kurbeln damit auch Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Forschung an. Als Bergbauministerin weiß ich, dass wir hier noch viel Potenzial haben. Denn die Rohstoffindustrie ist Arbeitgeber von einer Million Menschen und trägt mit 90 Mrd. Euro mit einem Viertel zu Österreichs Bruttoinlandsprodukt bei.“

 

Die Eckpunkte des Masterplan Rohstoffe 2030

Der Masterplan wurde unter Beteiligung von Stakeholdern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft erarbeitet. Er enthält 75 Maßnahmen, um Österreichs Rohstoff-Versorgung zu sichern und verfolgt damit drei Ziele:

 

Österreichs Bergbau stärken und damit heimische Ressourcen noch besser nützen

Kooperationen mit ressourcenreichen Ländern verbessern

Kreislaufwirtschaft forcieren durch innovative Technologien

 

Wie wichtig die verstärkte heimische Rohstoff-Versorgung ist, zeigt laut Landwirtschaftsministerium am Beispiel von Magnesium, das für Österreichs Industrie bedeutsam ist:

  • Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt führt zu Versorgungs-Engpässen in Europa.
  • Aufgrund der Devise „Blue Sky“ werden in China derzeit wieder Kohlekraftwerke abgestellt, um die Luftsituation rund um Olympische Spiele zu verbessern. Das wird den Engpass weiter verstärken. Die Lage wird sich erst mit einer zeitlichen Verzögerung um Monate wieder entspannen.
  • Die Versorgungslücken treffen vor allem die Aluminium-Industrie, etwa den Leichtbau bei Fahrzeugen.

 

„Die sichere Verfügbarkeit von Rohstoffen zu fairen,  international vergleichbaren Preisen ist Voraussetzung dafür, dass wir in der Industrie erfolgreich arbeiten können“, sagt IV-Präsident Knill. Dies ist Bedingung dafür, dass wir die industrielle Basis in Österreich erhalten und stärken können.

 

Rohstoffpolitik ist auch Klimapolitik

Aus der Sicht der Expertinnen und Experten, die am Masterplan Rohstoffe mitwirkten, sprechen eine Reihe von Argumenten dafür, eine aktive Rohstoffpolitik zu betreiben – die übrigens auch Klimapolitik bedeutet.

 

  • Der Rohstoffsektor bietet auch enormes Innovationspotenzial für mehr Nachhaltigkeit.
  • Die Erreichung des Green Deals der EU und des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG) ist untrennbar mit Einsatz von Rohstoffen verbunden. Beispiel: Photovoltaik
  • Der Bau einer Photovoltaikanlage benötigt verschiedene mineralische Rohstoffe. Ein Teil kann in Österreich gewonnen werden.
  • Zahlreiche Rohstoffe wie Silizium, Indium, Gallium, Germanium kommen aber aus dem europäischen Ausland.
  • Österreich benötigt also mehr heimische Rohstoffe, um notwendige Photovoltaik Anlagen bauen zu können.

 

Es geht aber nicht nur darum, im eigenen Land auf mehr Nachhaltigkeit zu setzen, sondern auch beim Import von Rohstoffen. Entscheidend ist, dass hohe europäische Standards beibehalten und weiterentwickelt werden. Rohstoffe müssen im In- und Ausland nachhaltig, effizient und schonend gewonnen, genutzt und recycelt werden.

 

Auf den Zusammenhang von Rohstoffpolitik mit dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit verweist auch Knill: „Rohstoffe sind die Grundlage für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Immer wieder hört man ‚Europa sei bereits gebaut‘. Wenn Europa bis 2030 seine Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 reduzieren und bis 2050 klimaneutral sein will, dann bedeutet dies in Wahrheit eines: Wir brauchen ein riesiges Investitions- und Bauprogramm für neue Infrastrukturen für Verkehr und Energie, neue Gebäude und neue Energiebereitstellung.“

 

Zahlen zur Rohstoffindustrie in Österreich

Einige Zahlen aus dem Jahr 2020 illustrieren Umfang und Bedeutung der Rohstoffindustrie Österreichs:

  • 233 Betriebsstätten (22 Untertage, 1.511 Tagebau und 1.700 Bohrlochbergbau) in der Rohstoffindustrie geben derzeit rd. 1 Mio. Menschen Arbeit in Österreich
  • Rohstoffindustrie trägt 90 Mrd. Euro bzw. 25% zum BIP bei
  • Jährlich werden in Österreich 79,6 Mio. Tonnen Rohstoffe gewonnen
  • Ressourcenverbrauch pro Kopf von 14 Tonnen pro Jahr