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Fehlen uns bald Zivildiener?

2040 können möglicherweise bis zu 4.000 Zivildiener fehlen. Foto: C. Lipinsky

Im ersten Quartal 2026 haben sich um elf Prozent mehr junge Männer für den Zivildienst entschieden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – das entspricht knapp 500 zusätzlichen Erklärungen. Gleichzeitig sinken jedoch die Zuweisungen, denn geburtenschwache Jahrgänge und die steigende Zahl an Untauglichen wirken sich aus.

Insgesamt leisten derzeit knapp 12.000 junge Männer ihren Zivildienst. Im ersten Quartal wurden 2.792 junge Männer zum Dienst zugewiesen, was einem Rückgang von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Der von den Einrichtungen gemeldete Bedarf sank ebenfalls, und zwar um 6,4 Prozent auf 3.144 Bedarfsplätze. Die Bedarfsdeckung lag bei 88,8 Prozent.

Im Bundesländervergleich erzielte Oberösterreich mit 92,8 Prozent den besten Wert, gefolgt von Niederösterreich mit 92,4 und Vorarlberg mit 92 Prozent. Das Schlusslicht bildeten Salzburg mit 80 Prozent, das Burgenland mit 72,3 und Kärnten mit 63 Prozent. Das gab Ministerin Claudia Bauer gemeinsam mit dem Leiter der Zivildienstserviceagentur Ferdinand Mayer bei der quartalsweisen Präsentation der aktuellen Zahlen bekannt. Mayer verwies als Ursache für die rückgehenden Zahlen auf die geburtenschwachen Jahrgänge sowie einen wachsenden Anteil an untauglichen Stellungspflichtigen.

Nach Einsatzbereichen entfiel mit rund 42 Prozent der größte Anteil der Zuweisungen auf das Rettungswesen, gefolgt von der Sozial- und Behindertenhilfe sowie der Altenbetreuung mit je rund 23 Prozent.

 

Ministerin sorgt sich um Zukunft des Zivildienstes

Ministerin Bauer zeichnete ein düsteres demografisches Bild für die Zukunft des Zivildienstes: Während 2010 noch rund 40.000 taugliche Wehrpflichtige zur Verfügung standen, seien es heute nur mehr rund 30.000 – ein Rückgang von einem Viertel. Da die kommenden Jahrgänge noch kleiner würden und gleichzeitig der Bedarf im Pflege- und Sozialbereich durch die alternde Gesellschaft steige, würden laut Prognosen im Jahr 2040 jährlich rund 4.000 Zivildiener fehlen.

 

Bauer für Verlängerung

Vor diesem Hintergrund sprach sich Bauer klar für eine Verlängerung des Zivildienstes auf maximal zwölf Monate aus – gekoppelt an eine allfällige Verlängerung des Grundwehrdienstes. „Nicht, weil länger automatisch besser ist, sondern weil es die demografische Realität verlangt“, begründete die Ministerin ihren Vorstoß. Die koalitionsinternen Verhandlungen dazu laufen laut Bauer weiter, ein weiterer Gesprächstermin sei bereits angesetzt. Auf die Frage, ob allenfalls eine Volksbefragung im Herbst notwendig werden könnte, verwies Bauer auf den laufenden parlamentarischen Prozess: „Wenn dieser Prozess beendet ist, können wir über den nächsten Schritt sprechen.“

Bauer rief nutzte auch die Gelegenheit und rief Blaulicht- und Sozialeinrichtungen dazu auf, besonders engagierte Zivildiener für die jährliche Auszeichnung „Zivildiener des Jahres“ zu nominieren.