Künstliche Intelligenz verstehen statt fürchten

Präsidentin der Politischen Akademie Bettina Rausch lud zum Online-Symposium über "Künstliche Intelligenz und Demokratie". Foto: Politische Akademie - charakter.photos / Monihart / iStock ipopba
Präsidentin der Politischen Akademie Bettina Rausch lud zum Online-Symposium über "Künstliche Intelligenz und Demokratie". Foto: Politische Akademie - charakter.photos / Monihart / iStock ipopba

„Fortschritt gestalten“ will VP-Abgeordnete Bettina Rausch. Als Präsidentin der Politischen Akademie lud sie zum hochkarätigen Online-Symposium über „Künstliche Intelligenz und Demokratie“, bei dem neben anderen Oxford-Professor Viktor Mayer-Schönberger referierte.

 

Künstliche Intelligenz und Politik

Politik ist vor allem die Aufgabe, Lebensbedingungen in demokratischer und rechtstaatlicher Vorgangsweise wert- und zielorientiert zu gestalten. In Zukunft werden Politikerinnen und Politiker dabei vermehrt von Künstlicher Intelligenz (KI) bzw Artifical Intelligence (AI) unterstützt werden. Dies vor allem dann, wenn bei hoher Komplexität informierte, fakten- und wissensbasierte Entscheidungen zu treffen sind.

Worauf es bei der politischen Arbeit mit KI-gestützten Entscheidungsgrundlagen ankommt und was KI für die Demokratie bedeutet, das beleuchtete die Politische Akademie in Kooperation mit dem Wilfried Martens Centre for European Studies in einem Online-Symposium.

„Fortschritt ist nicht aufzuhalten, aber er kann und muss gestaltet werden“, betonte Bettina Rausch, Präsidentin der Politischen Akademie und Abgeordnete zum Nationalrat, zur Eröffnung des Symposiums. Künstliche Intelligenz sei eine Chance, die Qualität von Politik, von Demokratie und von Entscheidungen zu verbessern, wenn man sie richtig und verantwortungsbewusst einsetze, so die Wertesprecherin der Volkspartei. An der Politischen Akademie werden die Entwicklungen der Digitalisierung laufend thematisiert und diskutiert, „immer mit dem Blick aufs Grundsätzliche, auf die gesellschaftlichen Veränderungen und auf ethische Herausforderungen“, erklärt Rausch.

 

Facebook braucht Künstliche Intelligenz

Nach der Einleitung durch Akademie-Präsidentin Rausch – „Es ist Zeit, sich weniger zu fürchten und mehr zu verstehen“ – wurde der Blick auf die Wirtschaft gerichtet.

Julia Reuss, Director of Public Policy von META für Zentraleuropa, erläuterte, dass KI in vielen Bereichen die Angebote und Standards von Facebook überhaupt erst ermögliche. Täglich würden Unmengen von Content auf die weltweite Plattform geladen. Daher wäre die Einhaltung der Community Rules – das ist die digitale Hausordnung von Facebook- ohne den Einsatz von KI gar nicht machbar.

Künstliche Intelligenz könne, so Reuss, unpassende oder gesundheitsgefährdende Inhalte zwar erkennen, dann aber nicht beurteilen, ob diese Inhalte inadäquat seien, also unsachlich, unpassend oder ähnliches. Ob veröffentlichter Content belassen werden kann oder zu löschen ist, könnten lediglich hochqualifizierte Expertinnen und Experten entscheiden.

Für die Entscheidungen über die Nutzung von Daten sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen. Harald Leitenmüller, Chief Technology Officer von Microsoft Österreich, sprach sich dabei für Transparenz und Verantwortung in der Anwendung und Entwicklung von KI aus. Es müsse den Entscheidungsträgerinnen und –trägern klar sein, dass KI lediglich Informationen über wahrscheinliche Konsequenzen zur Verfügung stellen könne. Die Einordnung und Bewertung dieser Konsequenzen bliebe aber weiterhin ganz klar die Aufgabe von Menschen, da sie Menschen beträfen.

 

Panelists an der Politischen Akademie: Elisabeth Mayerhofer, Viktor Mayer-Schönberger, Michael Hirschbrich, Harald Leitenmüller, Julia Reuss, Armin Grünwald, Bettina Rausch, Sprecher des Martens Center. Screenshot: PolAk

Panelists an der Politischen Akademie: Elisabeth Mayerhofer, Viktor Mayer-Schönberger, Michael Hirschbrich, Harald Leitenmüller, Julia Reuss, Armin Grünwald, Bettina Rausch, Sprecher des Martens Center. Screenshot: PolAk

Konsequenzen abschätzen

Prof. Viktor Mayer-Schönberger vom Oxford Internet Institut berichtete über Bedeutung und Wirksamkeit der gedanklicher Modelle, mit denen Daten aufgenommen und in Entscheidungen eingebaut werden.

Große Datenmengen könnten eindeutig dabei helfen, informierter Entscheidungen zu treffen. Allerdings käme es vor allem darauf an, mit welchen Kriterien diese Entscheidungshilfen bewertet werden.

Mayer-Schönberger illustrierte dies am Beispiel der unterschiedlichen Reaktionen auf die Covid-Pandemie von Neuseeland und Großbritannien. Beide Länder hatten die gleichen Daten als Entscheidungshilfe, doch die Reaktionen fielen komplett unterschiedlich aus: Neuseeland referenzierte auf die SARS-Krise und machte unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie die Grenzen dicht. Großbritannien setzte auf Durchseuchung. Das Ergebnis: Neuseeland gehöre auch heute noch zu den Ländern mit den niedrigsten Fallzahlen, während Großbritannien immer wieder unzählige Erkrankte zu verzeichnen hatte, die das Gesundheitssystem massiv belasteten.

 

Technologie ist, was wir daraus machen

Die Folgen des Einsatzes von Technik müssten jedenfalls vorab eingeschätzt werden. Dies war die These von Prof. Armin Grunwald, Leiter am Institut für Technikfolgenabschätzung in Karlsruhe sowie Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung im deutschen Bundestag.

Die Disziplin der Technikfolgenabschätzung sei in der Mitte des 20. Jahrhundert im US-Kongress entstanden und entspreche demokratischer Tradition. Die Zukunft sei der Raum der Alternativen zur Gegenwart. Ausdrücklich warnte Grundwald vor einer stark deterministischen Haltung in Bezug auf die technologischen Entwicklungen, die also alles aus Technik ableitet und sich entfalten lässt. Doch die tatsächliche Entwicklung sei das, was die Menschen aus machten.