Reise zu Stalins Sommersitz: Die Sozialdemokratie machte es möglich

Josef Stalin verantwortete Millionen von Tote. Für die deutsche SPD - so scheint es - kein Problem. Das SPD-Reisebüro hatte bis vor Kurzem den Besuch der Stalin Datscha in Sotschi im Angebot. Foto: iStock / Veronaa / iStock yuri4u80 / Screenshot SPD-Reiseservice, Montage: Zur-Sache.at
Josef Stalin verantwortete Millionen von Tote. Für die deutsche SPD - so scheint es - kein Problem. Das SPD-Reisebüro hatte bis vor Kurzem den Besuch der Stalin Datscha in Sotschi im Angebot. Foto: iStock / Veronaa / iStock yuri4u80 / Screenshot SPD-Reiseservice, Montage: Zur-Sache.at

Er ließ Millionen von Menschen unterdrücken, verfolgen und ermorden. Die Rede ist von Diktator Josef Stalin, Staatschef der UdSSR von 1927-1953. Er war mitverantwortlich für Trennung Europas nach dem 2. Weltkrieg, dessen Folgen in der Ukraine der Welt vor Augen geführt werden. Die Sozialdemokraten in Deutschland sahen diese Entwicklungen offenbar anders. Sie boten nämlich bis vor kurzem über ihr Reisebüro, dem „SPD-Reiseservice“, Ausflüge nach Russland an – Highlight der Reise: Ein Besuch der Stalin Datscha in Sotschi.

Die Linken und ihr Problem mit der Geschichte

In Österreich kennt man es von der KPÖ in Graz, die immer noch Schwierigkeiten damit hat, auf Distanz zum russischen Regime zu gehen und das Wirken von Lenin und Stalin sowie den Kommunismus nicht mehr zu verherrlichen und glorifizieren. Auch von der SPÖ weiß man, dass sie gerne mit kommunistischer Politik kokettiert, wie Delegationsreisen nach Nordkorea zeigen.

 

Schwarzmeerreise zu Stalin

Dekadenz scheint bei der SPD keine Grenzen zu kennen. Während Russlands Präsident Putin Angriffe auf die Ukraine anordnet, Millionen von Ukrainerinnen und Ukrainer auf der Flucht sind und ein ganzer Kontinent immer mehr mit den Folgen der russischen Aggressionen zu kämpfen hat, gerät Deutschlands Kanzler Olaf Scholz (SPD) international mangels klarer Linie Deutschlands in der Ukraine-Frage unter Druck. Mehr noch: Seine SPD bot über ihr hauseigenese Reisebüro ihren deutschen Genossinnen und Genossen Russland-Reisen mit Kreuzfahrt auf dem Schwarzen Meer an. Höhepunkt der Schwarzmeerreise ist der Besuch der Datscha des Sowjet-Diktators Josef Stalin in Sotschi.

 

Partei als Reisebüro

Die deutsche SPD betreibt über eine Beteiligungsgesellschaft eine Reisebüro, wie die deutsche Bildzeitung in ihrer Online-Ausgabe am Wochenende berichtet.  Dieser „Reiseveranstalter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, einem Service für Mitglieder und Freunde der SPD“, wie er sich auf der Homepage bezeichnet, bietet auch Urlaube in Russland an. Dass sich eine Partei als Reiseanbieter in Szene setzt und damit Geschäfte macht, ist in Deutschland einzigartig.

 

„Stalins Lieblingsweine – echt ein Highlight“

Auf einem Bewertungsportal äußerte sich ein Urlauber schwärmerisch über den Besuch der Sommerresidenz des russischen Diktators in Sotschi und meint laut Eintrag: „Der Höhepunkt war eine Weinprobe mit Stalin‘s Lieblingsweinen, die in der Villa von einem sehr fachkundigen Sommelier angeboten wurde – das war echt ein Highlight.“ Mit dabei bei den Weinproben ist natürlich der Diktator selbst auch. Stalin sitzt nämlich als Puppe an seinem Schreibtisch. Ob man ihn bei der Weinverkostung auch zuprosten kann?

 

SPD-Reiseservice nahm Russland-Reisen aus dem Angebot

Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine könnte der Programmpunkt mit dem Besuch der Stalin-Datscha in Sotschi, der für 24. Oktober 2022 vorgesehen gewesen wäre, wanken. Vorsorglich und wohl auch aufgrund der anhaltenden Kritik nahm der SPD-Reiseservice das komplette Angebot mit Russland-Reisen jüngst aus dem Programm und vom Netz.

 

Für 435 Euro zum 1. Mai ins „Rote Wien“

Unter der Rubrik „Politische Städtereisen“ hat der SPD Reiseservice aber nach wie vor den 1. Mai im „Roten Wien“ im Angebot. Ab 435 Euro kann man laut SPD-Angaben „die imposante Maikundgebung der SPÖ auf dem Rathausplatz“ erleben. „Für uns sind Sitzplätze auf der Ehrentribüne reserviert, um den Aufmarsch Zehntausender Genossinnen und Genossen mitzuerleben und mit ihnen gemeinsam die „Internationale“ zu singen“, wirbt der SPD-Reiseservice.

Apropos singen: 2016 wurde noch gepfiffen, und zwar auf den SPÖ-Vorsitzenden und damaligen Bundeskanzler Werner Faymann.